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Leitfaden für respektvolle Kommunikation: Fashion-Aktivismus

Dies soll eine einfühlsame Erinnerung an meine Fashion-Kolleg:innen (egal ob fast, fair, slow oder was auch immer - ihr alle habt eine Meinung und eine mutige Stimme in dieser Woche), Marketingkolleg:innen und Unternehmen sein, die Kampagnen für die bevorstehende #fashionrevolutionweek2023 vorbereiten, da ich gerade in Bangladesch bin, zuhöre und (ver)lerne:


Am 24. April 2023, ist der 10. Jahrestag des Einsturzes des Rana-Plaza-Gebäudes in Dhaka, Bangladesch, in dem fünf Bekleidungsfabriken untergebracht waren, die Kleidung für 29 westliche Marken herstellten. Dabei kamen mindestens 1.132 Menschen ums Leben und mehr als 2.500 wurden verletzt (Daten der ILO, die Menschen vor Ort sprechen von mehr als 4.000 Verletzten). Nur fünf Monate zuvor waren bei einem anderen tragischen Unfall mindestens 112 Arbeiterinnen und Arbeiter in der brennenden Fabrik von Tazreen Fashions am Rande von Dhaka ums Leben gekommen.


1. Bangladeschische Arbeitnehmerrechtsaktivist:innen und die Bekleidungsarbeiter:innen selbst nennen diesen Tag #ranaplazaremembranceday und nicht #fashionrevolutionday. Die Aktivist:innenwoche heißt #fashionrevolutionweek. Seid daher bitte übervorsichtig mit eurer Wortwahl und Sprache: Kommuniziert einfach und klar, aber kontextualisiert mit Respekt und Authentizität. Seid direkt. Verwendet eine verständliche, dekolonisierte Sprache für euer Publikum.


2. Einige Überlebende und einige Kinder/Verwandte von verstorbenen Opfern haben kleine Entschädigungszahlungen von der Regierung und einigen wenigen westlichen Marken erhalten (die meisten nicht!!!). Es gibt immer noch Kampagnen und Proteste vor Ort, die von lokalen Grassrootsmovements, NROs und Gewerkschaften geführt werden. Wenn ihr vor Ort einen Beitrag leisten wollt (macht eure Hausaufgaben und recherchiert), wählt Spendenzwecke mit Bedacht aus. Ich kann die Unterstützung meiner Freund:innen von der National Garment Workers Federation (NGWF), der Awaj Foundation, dem Bangladesh Center for Workers' Solidarity (BCWS) oder dem Solidaritätsfonds der deutschen NRO FEMNET empfehlen (Links unten).


3. Setzt eure Partner:innen in der Lieferkette nicht kurz vor der Kampagne unter Druck und bittet sie adhoc um Fotos und Stimmen von Arbeitnehmer:innen. Missbraucht keine Bilder und Stimmen von Arbeitnehmer:innen und stellt sicher, dass alle Regeln zum Schutz persönlicher Daten und Bilder befolgt werden. Ihr müsst jede:n einzelne:n Arbeiter:in fragen, bevor sein/ihr Gesicht und seine/ihre (korrekt übersetzten!) Meinungen und Gefühle veröffentlicht werden.


4. Seid aktiv und arbeitet ganzjährlich und kontinuierlich an faireren Preisstrategien, die bessere Löhne, Sicherheit in den Fabriken usw. unterstützen. Dies ist keine einmalige Aktion. Es sollte der Kern der längst überfälligen Nachhaltigkeitsbemühungen bilden, die sich hauptsächlich auf Kohlenstoff- und Kreislaufmodelle konzentrieren (hier ein bißchen indirekte Kritik 😊).


5. Wenn ihr EU-Bürger:innen seid: Unterstützt die Good Clothes Fair Pay-Kampagne von Fashion Revolution, die Gesetze für existenzsichernde Löhne in der Bekleidungs-, Textil- und Schuhindustrie fordert, teilt die Kampagne so oft wie möglich und unterschreibt sie. Es werden 1 Million Unterschriften von EU-Bürger:innen benötigt, um auf eine Gesetzgebung zu drängen, die von den Unternehmen verlangt, dass sie in ihren Lieferketten eine Sorgfaltsprüfung für existenzsichernde Löhne durchführen.



BITTE TEILEN! DANKE! <3

Lavinia


Links:

National Garment Workers Federation (NGWF): http://ngwfbd.com/

Bangladesh Center for Workers' Solidarity (BCWS): https://www.bcwsbd.org/

Gute Kleidung, faire Bezahlung: https://www.goodclothesfairpay.eu


Foto: 17. November 2022, mit Afia (17), Bijoy (18) und Parvez (12), Waisen ehemaliger Bekleidungsarbeiter:innen auf dem Rana Plaza-Gelände vor der Rana Plaza-Gedenkstätte, hinter der Freifläche, auf der das Gebäude stand; Savar, Dhaka, Bangladesch. (Ich möchte hier nicht das Elend des Globalen Südens oder irgendetwas in dieser Richtung verbreiten. Vieles hat sich in dem Land und in der Industrie zum Besseren gewendet, weil die Arbeiter:innen für sich selbst einstehen und kämpfen und einige Initiativen zu einer ökologischeren Produktionsweise beitragen. Ich wurde von Afia, Bijoy und Parvez gebeten, dieses Bild zu verwenden, als ich ihnen von der Einladung an die Akteur:innen der Branche erzählte, der Tragödie respektvoll zu gedenken).

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